Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt Ende August 2026 mehrere wirtschaftspolitische Reformvorschläge unterbreitet. Ihr zentrales Ziel formuliert sie klar: Deutschland soll bis 2030 dauerhaft wieder mehr als 1 Prozent Wirtschaftswachstum erreichen und zur wirtschaftlichen Spitzengruppe in Europa zählen. Erreicht werden soll das vor allem über Hochtechnologie und technologiebasierte Dienstleistungen.
Ein konkreter Vorschlag betrifft einen neuen, gebündelten Fonds für den deutschen Mittelstand nach dem Vorbild der US-amerikanischen Small Business Administration. Er soll die bislang auf Bund, Länder, KfW und Bürgschaftsbanken verteilten Förder- und Absicherungsangebote zusammenführen, privates Kapital mobilisieren und Betriebsübernahmen erleichtern. Reiche verweist dabei auf rund 3,5 Billionen Euro, die derzeit auf deutschen Bankkonten liegen, nach ihrer Rechnung fast sieben Bundeshaushalte. Dieses Kapital soll stärker für produktive Investitionen mobilisiert werden, statt auf Konten zu liegen. Zugleich warnt die Ministerin, dass junge Unternehmen ihr Wachstum bislang häufig im Ausland finanzieren müssten, weil ihnen hierzulande in späteren Phasen das nötige Kapital fehle.
Daneben fordert die Ministerin eine dauerhafte Senkung der Lohnnebenkosten auf unter 40 Prozent, unter anderem durch eine Anpassung der Lebensarbeitszeit an die demografische Entwicklung, Reformen der sozialen Sicherungssysteme sowie ein flexibleres Arbeitsrecht mit mehr unternehmerischem Spielraum bei Neueinstellungen.
Der Vorstoß fällt in eine Zeit, in der die Mittelstandsförderung des eigenen Ministeriums bereits unter Haushaltsdruck steht. Erst Anfang Juli 2026 hatte das Bundeswirtschaftsministerium überraschend einen befristeten Antragsstopp für das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) verhängt. Seit dem 7. Juli werden dort vorübergehend keine neuen Anträge und Projektskizzen angenommen; das Ministerium begründet den Schritt mit begrenzten Haushaltsmitteln bei deutlich gestiegener Nachfrage. Für 2026 waren für ZIM und das Innovationsprogramm für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen (IGP) zusammen rund 558 Millionen Euro vorgesehen. Aus Wirtschaft und Wissenschaft, etwa vom Verband Innovativer Unternehmen und von der Zuse-Gemeinschaft, kam dafür deutliche Kritik.
Für mittelständische Unternehmen im Saarland und in Rheinland-Pfalz lohnt es sich daher, die weitere Ausgestaltung der angekündigten Förder- und Finanzierungsinstrumente im Blick zu behalten. Sollte der geplante Mittelstandsfonds tatsächlich umgesetzt werden, könnte er insbesondere für Betriebsübernahmen und Wachstumsfinanzierungen eine gebündelte Anlaufstelle schaffen, die bislang über mehrere Institutionen verteilt gesucht werden muss.
Quellen: Handelsblatt/Reiche-Gastbeitrag · Handelsblatt · BMWE/ZIM · Verband Innovativer Unternehmen · Zuse-Gemeinschaft
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