Der Bau einer zentralen Wasserstoffleitung für die saarländische Stahlindustrie kann starten. Das Oberbergamt des Saarlandes erteilte im Juli 2026 den Planfeststellungsbeschluss für die rund 17 Kilometer lange Leitung zwischen Leidingen an der französischen Grenze und dem Stahlstandort Dillingen. Die Bauarbeiten durch die Creos Deutschland Wasserstoff GmbH, eine im Dezember 2021 gegründete hundertprozentige Tochter des Saarland-Netzbetreibers Creos Deutschland mit Sitz in Homburg, sollten im August 2026 beginnen. Creos versorgt mit ihrem rund 1.600 Kilometer langen Gashochdrucknetz und ihrem rund 450 Kilometer langen Stromnetz bereits mehr als 2 Millionen Menschen in 340 Städten und Gemeinden im Saarland und in Rheinland-Pfalz.
Die neue Leitung ist ein zentraler Baustein des grenzüberschreitenden Wasserstoffnetzes mosaHYc, das die Region Moselle, Saarland und Luxemburg miteinander verbindet. Gemeinsam mit dem französischen Netzbetreiber naTran (ehemals GRTgaz) und dem luxemburgischen Energiekonzern Encevo entsteht dabei ein erstes Wasserstoff-Inselnetz von insgesamt rund 90 Kilometern Länge, größtenteils durch die Umstellung bestehender, teils stillgelegter Gasleitungen, ergänzt um rund 20 Kilometer Neubau vor allem zwischen Dillingen und dem französischen Bouzonville. Die Trasse soll unter anderem durch Völklingen, Saint-Avold, Carling, Perl und Saarlouis verlaufen. Insgesamt investieren die Netzbetreiber rund 110 Millionen Euro in das Projekt, davon rund 70 Millionen Euro auf deutscher Seite. Für mosaHYc erhielt die Creos Deutschland Wasserstoff GmbH einen Förderbescheid über 44 Millionen Euro, rund 31 Millionen davon aus Bundesmitteln, den Rest trägt das Saarland. Die Europäische Kommission hatte das Projekt zuvor als IPCEI-Vorhaben („Important Project of Common European Interest") notifiziert. Die Inbetriebnahme des Netzes ist für 2027 vorgesehen.
Für die saarländische Stahlindustrie ist die Leitung von strategischer Bedeutung. Trilaterale Verträge zwischen Creos Deutschland Wasserstoff, dem französischen Netzbetreiber und der ROGESA Roheisengesellschaft Saar, einem gemeinsamen Unternehmen von Dillinger und Saarstahl, sichern den Transport von bis zu 50.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr zum Stahlstandort Dillingen und bilden damit die notwendige Versorgungsgrundlage für das Dekarbonisierungsprojekt Power4Steel. Nach Angaben der Projektpartner ließen sich mit dem entstehenden Wasserstoffwirtschaftssystem in der Region jährlich knapp eine Million Tonnen CO₂ einsparen. mosaHYc versteht sich zudem als Blaupause für einen europäischen Wasserstoff-Binnenmarkt und ist Teil der Europäischen Wirtschaftlichen Interessenvereinigung Grande Region Hydrogen, in der sich zwölf Industrieunternehmen für den Wasserstoffhochlauf in der Großregion einsetzen.
Das Projekt zeigt, wie eng Energiewende und Industriepolitik in der Großregion mittlerweile mit Frankreich und Luxemburg verzahnt sind. Ohne eine verlässliche Wasserstoffversorgung blieben die milliardenschweren Investitionen in neue Produktionsanlagen an der Saar ohne die notwendige Grundlage. Für Unternehmen im Saarland und in Rheinland-Pfalz, die selbst über eine Umstellung auf Wasserstoff nachdenken oder als Zulieferer für die Stahlindustrie tätig sind, lohnt sich ein Blick auf den weiteren Baufortschritt der Leitung in den kommenden Monaten.
Quellen: dpa/RPR1 · h2-news.de · Creos Deutschland · Encevo · SHS/Dillinger · ZFK
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