Am größten BASF-Standort tut sich derzeit einiges. Anfang September 2026 weihte der Konzern eine vollständig modernisierte Anlage für Säurechloride und Chlorformiate ein. Die Investition im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich erhöht die Produktionskapazität am Standort um rund 30 Prozent. BASF verfügt bislang über eine weltweite Jahreskapazität von rund 60.000 Tonnen für Säurechloride, Chlorformiate und Alkylchloride, die an den Standorten Ludwigshafen und Yeosu produziert werden. Seit 2025 produziert BASF das gesamte Ludwigshafener Portfolio von rund 25 dieser Produkte mit Strom aus erneuerbaren Energien. Das hat den durchschnittlichen Product Carbon Footprint des Portfolios bereits um 19 Prozent gesenkt. Vorstandsmitglied Mary Kurian bezeichnete die Anlage als Beleg für das Engagement von BASF, weiterhin in wettbewerbsfähige und nachhaltige Produktion am Standort Europa zu investieren.

Nur zwölf Tage später, am 14. September 2026, folgte der Spatenstich für ein neues Werk des Verpackungsherstellers SCHÜTZ direkt am Werkstor 12 des BASF-Stammwerks. SCHÜTZ investiert rund 40 Millionen Euro in ein rund 20.000 Quadratmeter großes Produktions- und Logistikzentrum für Intermediate Bulk Container, in dem zunächst etwa 60, später bis zu 100 neue Arbeitsplätze entstehen sollen. Die Inbetriebnahme ist für Sommer 2027 geplant. Der neue Standort soll neben BASF auch weitere Industriekunden in der Region Rhein-Neckar versorgen und ist an das Kreislaufsystem von SCHÜTZ für gebrauchte Industrieverpackungen angebunden, das Wiederverwendung, Aufbereitung und Recycling umfasst. Eine Photovoltaikanlage soll zudem einen Teil des Strombedarfs decken. Die Partnerschaft zwischen SCHÜTZ und BASF am Standort reicht bis in die 1960er-Jahre zurück. SCHÜTZ-CEO Roland Straßburger bezeichnete das Projekt als klare Win-win-Investition für Kunden, Umwelt und das eigene Unternehmen.

Beide Vorhaben stehen im Kontext einer neuen Standortvereinbarung, auf die sich BASF und die Arbeitnehmervertretung Ende 2025 nach monatelangen Verhandlungen verständigt hatten. Sie schließt betriebsbedingte Kündigungen für die mehr als 30.000 Beschäftigten am Stammwerk, gut ein Drittel der weltweiten BASF-Belegschaft, bis Ende 2028 aus und sieht jährliche Investitionen von rund 2 Milliarden Euro vor, im Gegenzug für mehr Flexibilität und eine schlankere Organisation. Die Vereinbarung kann sich um zwei weitere Jahre verlängern, wenn vereinbarte Ziele zur Wiederherstellung der Profitabilität erreicht werden. Betriebsratschef Sinischa Horvat sprach angesichts der langanhaltenden strukturellen Herausforderungen der Chemiebranche von einem keineswegs selbstverständlichen Ergebnis harter Verhandlungen.

Für die Region ist das ein Signal in einer strukturell angespannten Lage der Chemieindustrie. Ludwigshafens Oberbürgermeister Klaus Blettner bezeichnete den SCHÜTZ-Spatenstich als starkes Signal für den Industriestandort und betonte, dass kurze Wege und enge Partnerschaften zwischen Produktion, Logistik und industrieller Wertschöpfung die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie stärken. Für mittelständische Zulieferer und Dienstleister in Rheinland-Pfalz und dem angrenzenden Saarland kann die engere Verzahnung von BASF mit langjährigen Partnern wie SCHÜTZ neue Anknüpfungspunkte schaffen, etwa im Bereich Logistik, Kreislaufwirtschaft oder standortnahe Fertigung.

Quellen: BASF · SCHÜTZ · packaging-journal.de · KunststoffWeb · Tagesspiegel · IGBCE

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