Künstliche Intelligenz ist in Deutschland innerhalb kurzer Zeit im Alltag angekommen. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern. Laut einer repräsentativen Bitkom-Umfrage vom April 2026 nutzen bereits 58 Prozent der Menschen ab 16 Jahren in Deutschland KI.
Gleichzeitig ist der Wunsch nach mehr digitaler Souveränität deutlich ausgeprägt. 72 Prozent der Befragten sehen Deutschland bei Künstlicher Intelligenz als zu abhängig von den USA. 67 Prozent würden gerne eine KI aus Deutschland nutzen, 65 Prozent sprechen sich für eine eigene KI aus der Europäischen Union aus. Zugleich sehen 69 Prozent der Befragten in Künstlicher Intelligenz eher eine Chance. 76 Prozent erwarten, dass KI die Gesellschaft innerhalb der nächsten fünf Jahre spürbar verändern wird. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst betont, Europa dürfe sich bei KI nicht einseitig abhängig machen und brauche eigene, starke Anbieter für die digitale Souveränität. Bei den tatsächlich genutzten KI-Diensten dominieren US-amerikanische Anbieter deutlich.
Ein ähnliches Spannungsfeld zeigt sich bei Cloud-Diensten. Laut dem Bitkom Cloud Report 2026 beziehen 71 Prozent der Unternehmen, die Cloud-Dienste nutzen oder dies in Erwägung ziehen, Cloud-Angebote von Anbietern aus den USA. Bevorzugen würden US-Anbieter allerdings nur 8 Prozent. Bei deutschen Anbietern ist das Verhältnis umgekehrt: 53 Prozent nutzen derzeit Provider aus Deutschland, 91 Prozent würden diese bevorzugen. Anbieter aus der EU sind aktuell bei 45 Prozent im Einsatz, während 68 Prozent europäische Provider bevorzugen würden. Gleichzeitig sagen 43 Prozent der Unternehmen, dass es für ihre Cloud-Anforderungen derzeit keine gleichwertigen europäischen Alternativen zu den US-Hyperscalern gibt. Für den Cloud Report 2026 wurden 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland repräsentativ befragt.
Für Unternehmen, die KI-Lösungen einführen oder ausbauen, entsteht damit ein Spannungsfeld zwischen vorhandenen Angeboten, tatsächlicher Nutzung und dem Wunsch nach mehr digitaler Souveränität. Die Auseinandersetzung mit europäischen Anbietern kann dabei ein Baustein sein, um Abhängigkeiten von einzelnen außereuropäischen Plattformen zu reduzieren, sowohl bei KI-Modellen als auch bei der zugrunde liegenden Infrastruktur.
Dass an solchen Alternativen bereits gearbeitet wird, zeigt unter anderem das Projekt Soofi (Sovereign Open Source Foundation Models). An dem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Konsortium sind unter anderem das DFKI, mehrere Fraunhofer-Institute, Universitäten und KI-Start-ups beteiligt. Das Ministerium fördert das Projekt mit rund 20 Millionen Euro. Ziel ist es, leistungsfähige KI-Basismodelle auf europäischer Infrastruktur zu entwickeln und Unternehmen, Verwaltung, Forschung und Start-ups transparente Alternativen zu außereuropäischen Modellen zu bieten.
Im Juni 2026 stellte das Soofi-Konsortium mit Soofi S den ersten Baustein einer europäischen KI-Modellfamilie vor. Das Modell soll insbesondere dort eingesetzt werden können, wo Organisationen KI-Anwendungen nachvollziehbar, anpassbar und auf eigener oder souveräner Infrastruktur betreiben wollen.
Auch im southwestX Ökosystem beschäftigen sich zunehmend Start-ups mit vertrauenswürdiger und europäisch entwickelter KI. Damit entsteht neben der politischen und gesellschaftlichen Diskussion zunehmend auch eine unternehmerische Perspektive auf die Frage, wie digitale Souveränität in der praktischen Anwendung umgesetzt werden kann.
Quellen: Bitkom · Bitkom Research · DFKI · Fraunhofer IIS
Foto: KI-generiertes Bild