Weltweit fallen in der Stahlproduktion jährlich mehr als 400 Millionen Tonnen Schlacke an. Gleichzeitig wachsen für die europäische Stahlindustrie die ökonomischen Anreize, ihre Produktion zu dekarbonisieren und hochwertigere Verwertungswege auch für ihre mineralischen Nebenprodukte zu erschließen.
Viele der durch Stahl geprägten Regionen haben sich zudem aus dem Kohlebergbau verabschiedet, doch dessen Erblasten bleiben bestehen. Riesige Flächen übersäuerten Bodens sind dauerhaft zu sanieren: Ewigkeitslasten für die Bergbau-Nachfolgeunternehmen.
Heute erfolgt die Bodenbehandlung zumeist über naturbelassenen Kalkstein. Das funktioniert chemisch, erzielt aber keine vollständige Wiederherstellung der Böden. Und die Gewinnung, Verarbeitung und regelmäßige Anwendung von Kalkstein verursachen zusätzliche Kosten, Materialbedarf und CO₂-Emissionen, die die ohnehin schon langfristige Sanierungslast weiter erhöhen.
Positiver Zusatzeffekt: Indem CarboSlag Stahlschlacke zu präzise formulierten Behandlungsmitteln für übersäuerte Bergbau-/ Industriebrachen veredelt, ist in einem schlacke-basierten Prozess der Boden-Renaturierung eine dauerhafte CO₂-Reduzierung durch mineralische Einbindung in den derartig behandelten Flächen realisierbar.
Unbehandelte Stahlschlacke enthält zwar alle erforderlichen mineralischen Bestandteile, doch ist diese Rohschlacke zu variabel und reaktiv, um auch in verschiedenen Böden reproduzierbar gute Ergebnisse zu erzielen. Daher behandelt CarboSlag die Oberfläche der Stahlschlacken. In der Laborarbeit werden Bakterien eingesetzt, um die Oberflächenstruktur zu verändern und die Reaktivität zu steuern. Und durch Machine Learning werden dann abhängig von unterschiedlichen Bodenbedingungen standortspezifische Rezepturen aus den renaturierten Schlacken generiert.
Das Ergebnis ist ein verlässliches Verfahren zur Säurekorrektur, Schwermetall-Einbindung und Bodenregeneration, das sich durch einen geringeren Materialbedarf und eine zuverlässigere Langzeitwirkung auszeichnet. Perspektivisch wird CarboSlag dann als „Treatment-as-a-Service“ angeboten und zielt auf eine Senkung der Sanierungskosten um 35 % pro Zyklus ab.
Als Beispiele für Regionen mit besonders großem Bedarf an Flächenrekultivierung nennt das Unternehmen ehemalige Kohleabbaugebiete im Saarland und im Rhein-Ruhr-Gebiet, wo Zehntausende Hektar ehemaliger Bergbauflächen renaturiert werden müssen.
CarboSlag wurde von Tunca Beril Başaran gegründet, einer Stadtplanerin und Systemdesignerin, die in einer Stahlstadt in der Türkei aufwuchs – wie sie es selbst beschreibt – „im Schatten von Schlackehalden“ und in einer Familie, die vom Bergbau geprägt war.
In einer früheren Arbeit „CosmoLabs – Loops that Regenerate“ untersuchte sie, wie zirkuläre Materialflüsse die Regeneration von Industrie- und Agrarregionen unterstützen könnten. Daraus kristallisierte sich eine Leitfrage heraus:
Was wäre, wenn Industrieabfälle zu einem Katalysator für Regeneration werden könnten?
Heute vereint CarboSlag ein globales Team, das Erfahrungen mitbringt im Umgang mit ökologischen Herausforderungen und durch den gemeinsamen Ansatz verbunden ist: Weiter denken. Intensiver forschen.
Mit Fachwissen in den Bereichen Materialwissenschaften, Geochemie, Biotechnologie, Bergbau, Landwirtschaft und Klimafinanzierung sowie wissenschaftlichen Kooperationspartnern an der RWTH Aachen, der HfWU Nürtingen-Geislingen und der TU Bergakademie Freiberg deckt das Unternehmen die gesamte Innovationskette ab – von Materialien bis hin zu Landschaftsbau.
Die RAG-Stiftung und das Montan Innovation Lab Saar mit der Dillinger Hütte repräsentieren zwei diametral positionierte Stufen der Wertschöpfungskette, die CarboSlag aufbaut, und verbinden das bergbauliche Erbe mit der grünen Transformation der Stahlindustrie in einem Kreislaufsystem, das den Übergang zur Dekarbonisierung unterstützt.
Dieser erfolgversprechende, branchenübergreifende Ansatz wird ergänzt durch eine einzigartige Support-Kollaboration der Ökosysteme southwestX und BRYCK: die Start-up-Fabriken sind jeweils beheimatet in den beiden wichtigsten Kohle-/Stahlregionen Deutschlands.
Das Klima- und Innovationspotenzial von CarboSlag wurde durch eine Reihe von Auszeichnungen gewürdigt: „Innovation“ beim Climate Tech Hub Berlin, „Business Model“ beim Impact Hub und zuletzt „Most Promising Startup“ bei southwestX, wo das Team zudem für eine (Pre-)Inkubation ausgewählt wurde. Als nächstes nimmt das CarboSlag Team als regionaler Sieger für Europa am ClimateLaunchpad Global Grand Final des EIT Climate-KIC teil.
Das Ziel von CarboSlag ist es, ein bisher wenig genutztes Industrie-Nebenprodukt zu einer skalierbaren Ressource für die regionale Wertschöpfung zu veredeln, wodurch mehr wirtschaftlicher Wert vor Ort verbleibt und kreislauforientiertes und umweltfreundliches Wachstum ermöglicht wird.
Mit direkter Relevanz für Stahlregionen und Unternehmen, die nach praktikablen Lösungen suchen, bietet diese Innovation eine Möglichkeit, um Industriebrachen zu sanieren, CO₂ dauerhaft zu speichern und so zur Erreichung der Klimaziele beizutragen.
Weitere Infos: https://www.carboslag.net
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